Bau des Sportzentrums

Schwierige Standortsuche

Dem Bau des Sportzentrums und der Einweihung am 8. Juni 1991 ging eine lange Planungsphase voraus. Bereits in den 70er Jahren hatte man damit begonnen, nach einem neuen Standort für einen Sportplatz zu suchen, nachdem der Ausbau des alten Platzes an der Oldesloer Straße an seine Grenzen gestoßen war und vor allem eine Verlängerung des pachtfeien Nutzungsvertrages mit dem Eigentümer Wilhelm Erdmann nicht mehr möglich schien. Der Platz war in den Jahren zuvor von den Mitgliedern des Sportvereins in sehr viel Eigenarbeit entwickelt worden, besaß Leichtathletikeinrichtungen und sogar eine Flutlichtanlange und ein Vereinsheim, das inzwischen durch eine zweite Ausbauphase erweitert worden war. Damals in den 70er Jahren war zeitweise auch der „Weiße Berg“ als Standort für ein neues Sportgelände in das Visier der Dorfpolitik geraten. Allerdings waren  diese Pläne aus unterschiedlichen Gründen schon bald wieder fallen gelassen worden. Lesenswert bleibt aber ein interessanter Briefwechsel einer besorgten ehemaligen Berkenthinerin mit dem damaligen Ministerpräsidenten Gerhard Stoltenberg, den sie hier lesen: Der Ministerpräsident und der „Weiße Berg“.

Der „Weiße Berg“ kam nicht in Frage, also galt es weiter, einen neuen Sportplatz zu finden. Besonders Hans-Otto von Kaiser, der ab 1980 auch den Vereinsvorsitz übernahm, setzte sich unermüdlich für die Verbesserung der Sportbedingungen im Ort ein und trieb das Projekt voran. Bei der Gemeindevertretung unter dem derzeitigen Bürgermeister Richard Meier (Bürgermeister von 1958 bis 1978)  aber auch bei dessen Nachfolger Hans Erich Pieper (1979 bis 1990) stieß er mit diesem Ansinnen grundsätzlich auf offene Ohren, allerdings gestaltete sich die Platzsuche dann doch langwieriger und schwieriger, als zunächst gedacht. Zunächst anvisierte Grundstücke scheiterten entweder an den Preisvorstellungen der Eigentümer oder erwiesen sich als zu  klein. Ein anderer möglicher Standort hätte durch den Zukauf eines Grundstückes auf Göldenitzer Gebiet erweitert werden müssen. Die Verhandlungen über die Gemeindegrenzen hinweg erwiesen sich aber als sehr schwierig.


Das Gelände am Ende der Bahnhofstraße

Ein Durchbruch in der Standortfrage wurde dann erzielt, als im April 1981 die Gemeinde einen Bebauungsplan für das Gelände der ehemaligen Sägerei Rave erstellen ließ. Es kam dann sehr schnell zu einem ersten Planungsentwurf für das 5 ha große Gelände, der zunächst auch noch zusätzliche Leichtathletikeinrichtungen vorsah. Immerhin blickte der Verein auf eine lange diesbezügliche Tradition zurück. Allerdings zeigte sich, dass das Land Schleswig-Holstein nur einen Teil dieser zunächst sehr großzügigen Planung als förderungsfähig einstufte, so dass ein neues Konzept notwendig wurde. 


Der Sonderausschuss

Um das Vorhaben gezielt voranzutreiben, bildete die Gemeindevertretung einen Sonderausschuss Sportzentrum, dem bis 1990 die Gemeindevertreter Heinz Burmeister, Elfi Giebel, Manfred Meissner, Hans-Joachim Speth und als Vorsitzender Friedrich Thorn angehörten. Nach der Wahl 1990 wurde dieser Sonderausschuss dann in einen ständigen Sportausschuss umgewandelt, dem nun Siegfried Bartels, Holger Meyer, Manfred Meissner, Werner Schönrock und weiterhin Friedrich Thorn als Vorsitzender angehörten. Dieser Ausschuss entwickelte dann in einer Vielzahl von Sitzungen und in enger Abstimmung mit den zukünftigen Nutzern des Sportzentrums den sich langsam konkretisierenden Plan für die gesamte Anlage.


Die Sportplätze

Als Ergebnis vorausgegangener Gespräche in Kiel bezüglich der Finanzierung des Platzes entstand die Ideen der Gestaltung eines besandeten Kunstrasenfeldes anstatt des zunächst geplanten Rotgrandfeldes für die Fußballer. Maßgeblich für die letztendliche Entscheidung zugunsten eines solchen Spielfeldes waren die nach Meinung der Gemeindevertretung „vertretbaren“ Folgekosten. Daneben waren auch ein Naturrasen und zwei Tennisplätze weiterhin in der Planung und wurden schließlich auch umgesetzt. Da die Gemeinde mit der Anlage eines Kunstrasenplatzes in der Region Neuland betrat, so etwas gab es damals nur in Lübeck , ging es dem Ausschuss nun darum, im weiteren Umfeld solche Anlagen zu besichtigen und Informationen einzuholen, wobei eine Informationsfahrt sogar nach Rotterdam führte.


Das Gebäude

Mit der Planung des Gebäudes wurde der Architekt Jürgen Traut aus Lübeck beauftragt. Er hatte die Vorgaben der Gemeindevertretung zu berücksichtigen, neben den Außensportflächen auch dem Schützenverein und der Kyffhäuser Kameradschaft ein neues Zuhause zu geben. Der bisherige Schießstand an der Ecke Bahnhofsstraße/Rondeshagener Straße genügte nicht mehr den Anforderungen, vor allem galt die Lärmbelästigung der Anwohner als nicht mehr zumutbar. Somit wurde unterirdisch ein Schießstand geschaffen, der teilweise mit Erdreich überdeckt und teilweise überbaut wurde. Um Schallübertragungen zu vermeiden, wurden die Wände und Decken mit schallabsorbierenden Materialien verkleidet. Die Anlage besteht aus Gemeinschaftsräumen, die sich die Schützen und die Kyffhäuser teilen, und Schießbahnen für das 10-, 25-, und 50m-Schießen, die internationalen Wettbewerbsstandards genügen. Eine zunächst geplante Kegelbahn wurde dagegen aus Kostengründen nicht mehr gebaut.

Neben dem unterirdischen Schießstand wurden in dem Gebäude Umkleide- und Duschräume für die Sportler sowie ein besonderer Raum für die Tennisabteilung untergebracht. Im Zentrum der Anlage stehen aber eine Gaststätte und ein Saal für größere Veranstaltungen. Saal und Gaststätte  wurden so konzipiert, dass sich durch mobile Trennwände drei Räume so zusammenfassen lassen, so dass insgesamt ca. 200 Personen dort bewirtet werden können. Damit wurde im Ort wieder ein Raum für gesellschaftliche Veranstaltungen geschaffen, nachdem ehemalige Säle wegen Schließung nicht mehr zur Verfügung standen. Mit seinem Schwingfußboden dient der Saal heute zudem gymnastischen Übungen sowie der Tischtennissparte des Vereins als Trainings- und Wettkampfhalle.  Auch wurde den gesetzlichen Vorgaben gemäß ein Kunstobjekt des Künstlers und Kunstschmiedemeisters Alfred Schmid aus Trappenkamp im Windfang des Gebäudes angebracht, das alle hier ausgeübten Sportarten plastisch abbildet.


Die Finanzierung

Für die Gemeinde finanzierbar wurden die hohen Baukosten, die sich letztendlich auf 5,6 Millionen Mark beliefen, durch die Bereitstellung zentralörtlicher Mittel sowie durch Zuschüsse des Kreises, des Landes und des Bundes. Auch wegen der hohen Bausumme blieb das Sportzentrum als solches in einer ländlichen Gemeinde lange ohne Beispiel.


Die Einweihung

Nachdem bereits im April 1989 Richtfest des Hochbaus gefeiert werden konnte, wurde der Gesamtkomplex am 8. Juni 1991 um 14 Uhr im Rahmen eines Festaktes seiner Bestimmung übergeben. Nach sportlichen Darbietungen, einer Ausstellung der Volkshochschule, einer Tombola und dem Start eines Heißluftballons, endete der Tag mit einer Tanzveranstaltung, zu der alle Bürger freuen Eintritt hatten.

(Fotos von der Einweihung: Friedrich Thorn)