750-Jahrfeier

Berkenthiner 750-Jahr-Feier 1980

Im Jahre 1980 jährte sich die Erwähnung Berkenthins im Ratzeburger Zehntregister zum 750. Male. Wie auch andere Gemeinden, die in diesem Dokument erstmalig genannt wurden, nahm man auch in Berkenthin dieses Datum zum Anlass, um das 750 jährige Ortsjubiläum gebührend zu feiern. Unter der Federführung des Kulturausschusses unter der Leitung von Günter Böhnke hatten sich viele freiwillige Helfer, darunter Mitglieder aller Vereine frühzeitig daran gemacht, ein weit gefächertes Festprogramm auf die Beine zu stellen. Eine kleine Gruppe von Geschichtsinteressierten um Helga und Walter Koop begann parallel dazu, eine Festschrift zu erstellen, in der  die 750jährige Geschichte des Ortes erstmalig im Zusammenhang dargestellt werden sollte. Diese kleine Schrift kann noch heute als Grundlage vieler historischer Darstellungen über den Ort angesehen werden. Dazu organisierte das Ehepaar Koop eine Ausstellung von alten Urkunden, Dokumenten, Karten und Bildern zur Geschichte des Ortes, die während der Festtage besichtigt werden konnte und auf großes Interesse stieß.

Gefeiert wurde schließlich vom 15. bis zum 17. August unter sommerlichen Temperaturen, da sich auch die „Großwetterlage auf das Jubiläum angemessen eingestellt hatte“, wie Bürgermeister Pieper in einer Nachbetrachtung humorig bemerkte. Der ganze Ort stand an diesem Wochenende im Zeichen der Feierlichkeiten, zumal das Ortsjubiläum mit einem großen Sportfest verbunden wurde, da auch der TSV Berkenthin in diesem Jahr sein 60jähriges Bestehen feiern konnte. 


Das Sportfest

Bereits am Freitagabend hatte der langjährige TSV-Vorsitzende Hans-Otto von Kaiser zu einem Empfang in das Sportlerheim auf dem damaligen Sportplatz, dem heutigen Penny Gelände geladen, zu dem u.a. der Kreispräsident, der Bürgermeister und die Vorsitzenden der Berkenthiner Vereine erschienen. An den folgenden Tagen wurde dann auf dem Sportplatz unter großer Beteiligung um verschiedene Pokale Fußball gespielt, während in der Turnhalle ein „internationales“ Badminton-Turnier stattfand, an dem auch zwei Mannschaften aus Rönnede  in Dänemark teilnahmen. (Rønnede ist ein Ort auf der dänischen Insel Seeland. Er gehört zur Gemeinde Faxe. Noch heute bestehen Freundschaften mit einigen ehemaligen Spielern.)


NDR Live-Sendung aus dem Festzelt

Die eigentlichen Feierlichkeiten wurden unterdessen mit einer Live-Übertragung der Radio-Sendung „Der Club“ aus dem überfüllten Festzelt auf der Festwiese neben Erdmanns Gasthof eröffnet. „Wir sind auf Sendung!“, hieß es denn auch ab 18.30 Uhr. Moderiert wurde die Live-Übertragung von „Club“-Reporter Andreas Bormann, der das überwiegend junge Publikum durch flotte Sprüche und Interviews bei Stimmung hielt. Im Anschluss wurde zu den Klängen der Gruppe „Hawk“ und zu Disco-Musik bis in den Morgen gefeiert.


Flohmarkt

Der Sonnabend begann dann mit einem großen Flohmarkt, zu dem sich wiederum Hunderte von Besuchern  auf dem Festplatz einfanden. Die Jugend hatte ihren Spaß auf einem riesigen Wassserbett und  glückliche Hände erkauften sich beim Losen eine Ferienreise oder versuchten ihr Glück an einem Glücksrad. Ihre überschüssige Kraft konnten die Besucher dann an einem Autowrack abreagieren. 3 Hammerschläge auf das Auto kosteten 1,- DM, wobei der Erlös den SOS-Kinderdörfern zu Gute kam.  Dazu gab die Feuerwehrkapelle ein Platzkonzert. 


Der Umzug

Nachdem sich alle bei einem Teller Erbsensuppe gestärkt hatten, formierte sich um 13.30 Uhr der große Festumzug in der Bahnhofstraße. Unter Beteiligung aller Vereine und Organisationen setzte sich der Zug schließlich in Bewegung, der wohl der längste und prächtigste in der Berkenthiner Geschichte gewesen sein dürfte. An dem Umzug nahmen teil: 

  • der Spielmannszug Ratzeburg, 
  • der Feuerwehrmusikzug Berkenthin-Krummesse, alle Ehrengäste und Gemeindevertreter,  
  • die Patenkompanie aus Wentorf, 
  • die Freiwillige Feuerwehr Berkenthin, 
  • der DRK-Ortsverein Berkenthin,  
  • die dänische Badmintongruppe aus Rønnede, 
  • der Feuerwehrmusikzug Bad Oldesloe, 
  • die Junge Union, 
  • der Landfrauenverein Berkenthin, 
  • der Spielmannszug Krummesse, 
  • die Landjugendgruppe Berkenthin, 
  • die Kyffhäuser mit dem 162er Regiment aus Lübeck, 
  • der Schützenverein Berkenthin.

Die lange Karawane bewegte sich über die Oldesloer Straße in Richtung Schleuse, über die Kanalbrücke, durch Groß Berkenthin, vorbei an der Kirche, über die Fußgängerbrücke, über die Straße Am Schart, durch die Meisterstraße, vorbei am Altersheim, über die Oldesloer Straße in die obere Schützenstraße, durch die Berliner Straße und die Poststraße und endete schließlich am Festplatz neben Erdmanns Gasthof. Besondere Verdienste erwarb sich dabei der DRK-Ortsverein, der die Teilnehmer und auch die Zuschauer an den Straßenrändern mit Hochprozentigem bei Kräften hielt.


Die Festveranstaltung

Den Höhepunkt der ganzen Feierlichkeiten bildete dann der anschließende Festakt in dem voll besetzten Zelt.  Bei hochsommerlichen Temperaturen konnte Bürgermeister Pieper viele Ehrengäste begrüßen. Allen voran den damaligen Innenminister Dr. Dr. Uwe Barschel, sodann den Kreispräsidenten Hagemann, Amtsvorsteher Hafner, den leitenden Verwaltungsbeamten Voderberg, Pastor Meyer und Frau, dessen Amtsvorgänger Pastor Wallroth und Frau, den Kreisarchivar Dr. Kaack, die Vertreter der verschiedenen Geldinstitute, die Bürgermeister der amtsangehörigen Gemeinden und schließlich die Vertreter der Patenkompanie Wentorf. Es folgte eine lange Reihe von Grußworten. Innenminister Barschel würdigte Beispiele guten gemeinschaftlichen Lebens, so den TSV, der zugleich sein 60jähriges Bestehen feierte, außerdem die Gemeinschaft in der Kirche, der Feuerwehr und weiteren Einrichtungen. Kreispräsident Hagemann übermittelte die Glückwünsche und Grüße des Kreises zusammen mit der Übergabe einer großen Urkunde sowie der Kreisflagge. Er hob in seiner Rede den vielfältigen Wandel hervor, den Berkenthin wie auch andere Orte des Kreises durchlebten und gab der Hoffnung Ausdruck, dass der Ort vor dem Wandel zum reinen Pendler- und Schlafdorf verschont bleibe. Unterbrochen und aufgelockert wurden die  Festreden durch die musikalischen Einlagen der Jugendbläsergruppe, des Kastorfer Singkreises und des Feuerwehrmusikzuges. Angesichts der in allen Berichten immer wieder erwähnten „Saunatemperaturen“ dürften aber schließlich alle Besucher froh gewesen sein, als der offizielle Teil der Veranstaltung abgeschlossen war und man zum gemütlichen Teil des Abends übergehen konnte.

Rückblickend wurden diese Festtage von allen aktiv Beteiligten und Gästen als ein voller Erfolg beurteilt. Noch heute sind die Erinnerungen an diese schönen Tage bei älteren Berkenthinern präsent!

Quellen und Bilder:

Der Bericht basiert auf zusammengestellten Berichten im Amtsarchiv Berkenthin, Akte 284. Die Fotos sind einer a.a.O. hinterlegten von w. Koop u.a. erstellten unveröffentlichten Fotodokumentation entnommen. Die Veröffentlichung der verwendeten Fotos erfolgte, soweit zuzuordnen, mit freundlicher Genehmigung der Fotografen (bzw. deren Familien) G. Rebien, G. Böhnke, A. Machnik.