Wo sie noch gestern gesungen da war alles leer - Zigeunerjunge

Die Taterbrücke war eine kleine Brücke an der Lübecker Straße in Richtung Kählstorf, kurz hinter dem heutigen Bahndamm über die Wolfbek. Bei Schröder-Birnatzki wird sogar von zwei Taterbrücken gesprochen. Der Begriff Tater oder Tataren bezeichnet einen mongolischen Volksstamm. In Norddeutschland war dieser Begriff in der frühen Neuzeit allerdings weiter gefasst und meinte alle Fremden aus Ost- und Südosteuropa mit dunklerer Hautfarbe und damit meist Zigeuner, bzw. heute korrekt Roma und Sinti. 

Da man glaubte, diese stünden dem Teufel nahe, wurde ihnen hier eine Sesshaftwerdung verweigert und so hatten sie ihr Auskommen nur im Fahrenden Gewerben wie z.B. der Schaustellerei und der Scherenschleiferei. Diese kleinen fahrenden Gruppen fuhren von Ort zu Ort, boten ihre Dienstleistungen an und kamen in regelmäßigen Zeitabständen wieder zurück. Daraus ergab sich für die Dorfgemeinschaft die Problematik eines vorübergehenden Übernachtungsplatz zu stellen. Da man diesen Fremden aber nicht traute, sollte der Ort natürlich soweit wie möglich vom Dorf entfernt sein. Im Berkenthiner Fall verständigte man sich offenbar auf einen abgelegenen Platz an der kleinen Brücke in Richtung Kählsdorf, die dann durch das wiederholte erscheinen der „Tater“ ihren Namen bekam. Wann dies geschah läßt sich leider nicht mehr ermitteln. Burmeister schreibt in seiner Kirchengeschichte dazu: „die zu Ende des sechzehnten Jahrhunderts sich häufig hier im Lande zeigten“. Die bisher erste bekannte Nennung dieser Brücke unter diesem Namen stammt aus dem Jahr 1754. Da war sie allerdings schon baufällig und der Lübecker Stadtbaumeister Johann Adam Soherr (* 1706; † 1778) sollte deren Zustand beurteilen.

Auch andernorts gibt es Taterbrücken wie z.B. in der Nähe von Magdeburg oder einen Taterweg wie in Krummesse.

Das scheint alles lange her und fast vergessen. Doch haben sich diese Fremden neben der Brücke auch in unserer heutigen Sprache verewigt:  Dazu gehören Begriffe wie „Bock“ (im Sinne von „auf etwas Bock haben“) als Entlehnung von bok für „Hunger“ und „Kaff“ als Entlehnung von gab oder gaw für „Dorf“.

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